Meine Geschichte - la mia storia

 

Ich wuchs wohlbehütet als jüngstes von vier Geschwistern auf. Mein Vater, ein angesehener Kaufmann aus Genua, sowie meine Mutter, eine Tatarin vom Schwarzen Meer, verwöhnten mich nach Strich und Faden. Gemeinsam mit meinen drei Brüdern wurde mir eine ausgezeichnete Bildung zuteil, was ungewöhnlich für ein Mädchen war und doch wollte ich schon früh viel mehr als mir zustand.
Oft flüchtete ich mich in das Handelskontor meines Vaters, wo ich ihm schon bald eine größere Hilfe war als meine Brüder, die lieber der holden Weiblichkeit nachstiegen oder Ritterehren erlangen wollten. Sehr zum Verdruss der Mutter interessierte ich mich offenkundig mehr für den Handel, fremde Länder und Kulturen, als für Handarbeiten und Haushalt.
Als ich mich dann auch noch in Luca verliebte, einen jungen Angestellten meines Vaters und von einfacher Herkunft, begann ich meinen Eltern erstmals Sorgen zu bereiten.
Diese waren verzweifelt um ihren eigenen guten Ruf bedacht und wussten sich bald keinen besseren Rat, als Luca mit einem Handelsschiff in die Welt zu schicken und ihre eigene aufmüpfige Tochter in ein Kloster zu stecken, sollte ich doch dereinst als gute Partie verheiratet werden.

Die Jahre im Kloster wurden für mich zur Qual. Ich, die ich stets das bekommen hatte, wonach mein Herz verlangte, musste mich von heute auf morgen mit der demütigen Rolle einer Dienerin des Herrn abfinden. Die Nonnen brachte mir alles bei, um eines Tages ein sanftes und unterwürfiges Eheweib zu werden, ein Umstand vor dem es mir schon bald graute, denn nichts liebte ich mehr als meine Selbständigkeit. Und so begann ich hinter den dicken und kalten Klostermauern zu rebellieren. Meine Aufmüpfigkeit bescherte mir daher oft Strafarbeiten im Klostergarten, was mir jedoch sehr zugute kam. Eine der Nonnen bemerkte mein Interesse für die Kräuter- und Heilkunde und gab ihr ganzes Wissen an eine dankbare Schülerin weiter.

Dann kam der Tag an dem ich, inzwischen zu einer jungen Frau herangewachsen, das Kloster verließ und zu meiner Familie zurückkehrte. Wenn ich doch nur vorher gewusst hätte, was mich dort erwartete - ein Ehemann. Um einiges älter und nicht gerade von der Natur bevorzugt, dafür jedoch mit einigem an Besitz.
Ich war es Leid von einem Gefängnis in das nächste zu geraten und sah nur einen Ausweg: Zwei Tage vor der Eheschließung verließ ich mein Elternhaus, heimlich, still und leise und im Schutze der Dunkelheit, um nie wieder dorthin zurückzukehren.

Das neue Leben erwies sich alles andere als Zuckerschlecken. Auf mich alleingestellt gab es von nun an den täglichen Kampf ums Überleben.
Halb verhungert wurde ich von einem jungen Araber aufgelesen, der sich meiner erbarmte – Tariq. Dankbar für seine Hilfe, folgte ich ihm von nun an wie ein treues Hündchen, ohne zu wissen welche Abenteuer mich an jetzt erwarten würden. Gemeinsam zogen wir von Ort zu Ort, über Landesgrenzen hinaus, ohne ein wirkliches Ziel vor Augen. Das Leben konnte so wundervoll sein, verbrachte man es in Freiheit und bestimmte man selbst über sich.
Unerlaubtes Jagen und Stehlen gehörten nun zu meinem Alltag. Für letzteres entwickelte ich bald ein außerordentliches Geschick. So mancher Geldbeutel wechselte im Gedränge eines Marktes seinen Besitzer. Geschickt war ich auch mit dem Dolch, was sich eines Tages als mein Glück herausstellen sollte. Seine Klinge färbte sich blutrot, als zwei Strauchdiebe meinten leichtes Spiel mit einem hilflosen Weib zu haben.
Die Zeit mit Tariq - ich genoss sie in vollen Zügen. Doch eines Morgens wachte ich alleine auf, vom Araber keine Spur. Was von ihm blieb war ein Name - Sahabat.

Und so zog ich alleine weiter und kam irgendwann in einem kleinen Ort namens Amstetten an. Die Gegend gefiel mir und ich beschloss für einige Tage hier zu bleiben.
Aus den Tagen wurden Wochen und diese zu Monaten. Die windschiefe Hütte, in der ich vorübergehend gehaust hatte, tauschte ich schon bald mit einem kleinen Bauernhaus. Für das ersparte Geld kaufte ich mir ein Feld, das mir als Lebensgrundlage dienen sollte.
Menschen kreuzten meinen Weg und ... doch dies ist eine andere Geschichte.

 

 

 



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